Gern auch etwas schwerer

Es war vor vielen Jahren. Ich schätze im Sommer 98. Damals war ich nicht älter als 10 und wir fuhren im Auto in den Urlaub. Auf dem kleinen Bildschirm vor mir hüpfte ein kleiner blauer Kerl von einer Plattform zur nächsten und schoß dabei auf alles was sich bewegte. Noch ein Sprung hier und dann den Feind in der Ecke abschießen. Schon oft war ich hier gewesen. Schon oft habe ich hier den virtuellen Bildschirmtod gefunden. Doch nun sollte es anders werden. Ich hätte mich blind in diesem Raum orientieren können, wusste wo die Gegner stehen, in welche Richtung sie schießen und auf welchem Millimeter des Bodens ich stehen muss um nicht getroffen zu werden. Schmerzlich habe ich diese Lektionen gelernt.

Es geht los, geschickt bewege ich mich. Alles ist perfekt geplant und auf den Bruchteil einer Sekunde genau ausgeklügelt. Ein unglaubliches Gefühl wenn man Meter um Meter vorwärts kommt. Wenn man merkt, dass sich all die vorrangegangenen Misserfolge nun endlich auszahlen. Das Ende ist nahe, nur noch wenige Meter. Der Puls steigt und die Hände sind nass von Schweiß. Der Gedanke schießt mir durch den Kopf „Soweit war ich noch nie!“ Nur noch ein Sprung und ich bin im nächsten Bildschirm…

Der Sprung kommt. Die Figur bewegt sich nach oben, der Raum ist geschafft. Im nächsten Raum angekommen bewegen sich plötzlich 4 Gegner. Kleine Projektile fliegen in alle Richtungen. Eine Kugel nach der anderen schlägt in die Spielfigur ein. Mit jedem Treffer senkt sich die Energieleiste. Innerhalb von wenigen Sekunden ist er da, der nächste Bildschirmtod.

Ja so war das damals in Megaman 2 für den Gameboy. Natürlich war die Spielfigur damals nicht wirklich blau, der Gameboy hatte ja noch keine Farben, aber zumindest in meiner Vorstellung war es so. Auf langen Reisen im Auto habe ich das Spiel sehr gern gespielt. Glaub ich zumindest. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass ich kein anderes zur Hand hatte, wer weiß? Auf jeden Fall habe ich es trotz seines extrem hohen Schwierigkeitgrad sehr weit gespielt. Ich meine bis ins letzte Level gekommen zu sein. Das tolle an dem Spiel waren halt neben seiner Schwierigkeit auch die Erfolgserlebnisse. Megaman war niemals unfair. Immer wusste man genau warum man gerade gestorben ist und mit jedem Versuch hat mehr über das Level gelernt bis man es auswendig konnte (ich kannte noch jeden Sprung und Schuss aus dem Video oben^^). Hat man es dann aber geschafft war es einfach eine unglaubliche Erleichterung. Außerdem wurde man immer mit einer neuen Waffe belohnt mit der man vielleicht in einem anderen Level leichter vorran kommt. So war man auch immer motiviert weiter zu machen.

Noch heute spiele ich solche Sachen gern. Vor ein paar Jahren hatte ich z.B. „I wanna be the guy“ angefangen. Ich glaub das Spiel treibt es aber etwas zu weit. Das fängt schon damit an, dass man im ersten Level in einem Raum startet in dem man nur sterben kann. Erst wenn man sich entgegen jeder Videospiellogik wieder zurück nach oben bewegt kommt man überhaupt weiter. Auch sonst wird das Spiel nicht wesentlich freundlicher. An allen Ecken lauert der Tod. So läuft man z.B. unter einem Baum lang von dem Äpfel fallen. Aber nicht jeder Apfel fällt auch nach unten. Manche bleiben wo sie sind, andere „fallen“ sogar nach oben. Das schlimmste war für mich aber der erste Endgegner. Einige Zeit hab ich investiert um zu verstehen wie man ihn besiegen kann und um seinen Schlägen auszuweichen. Irgendwann hatte ich ihn dann auch endlich geschafft. Im nächsten Raum angekommen findet sich aber kein Speicherpunkt sondern nur ein Abgrund. Wenn man diesen nach unten springt dann kann man Glück haben und landet im Wasser oder man stirbt. Einen Hinweis wohin man fallen muss? Nein! Man ist einfach tot und erscheint vor dem Boss erneut. An diesem Punkt hab ich das Spiel dann deinstalliert und nie mehr angefasst. Wer es mal probieren will, es ist kostenlos und HIER zu finden.

Am Wochenende habe ich mir nun bei Steam für 7€ Super Meat Boy gekauft. Ein weiteres Spiel welches für seinen hohen Schwierigkeitsgrad bekannt ist. Tja was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Meine durchschnittliche Lebensdauer liegt zwar irgendwo unter 10 Sekunden (kein Witz!) und nach 30 Minuten Spielzeit gingen schon 195 kleine tote Fleichklumpen auf mein Konto.  Trotzdem ist sofort das gute alte Megaman Gefühl wieder da. Wenn ich z.B. einen Level starte und in den ersten Versuchen nicht mal vom Start weg komme, dann aber nach einigen Minuten diese Stellen nicht mal mehr beachte weil ich viel größere Probleme habe… hach es ist einfach toll. Auch der erste Endgegner hat mich begeistert. Hier wird man von einer laufenden Kettensäge verfolgt und um ihr zu entkommen springt und rennt man durch einen Parkour aus Sägen und Hindernissen. Man hat keine Zeit zum denken, man muss einfach nur rennen und irgendwie da durch kommen. Großartig.

MfG Thomas

Ein Gedanke zu „Gern auch etwas schwerer“

  1. o_0
    Also ich HASSE es zu sterben. Ich darf nicht sterben! Nicht nur das es gegen alle Gesetze der Natur ist zu sterben und dann wieder auf zu stehen und von neuen zu beginnen (selbst die Buddhisten müssen beim Neustart am gleichem Zeitpunkt weiter machen!)
    Deswegen war mein IB wohl auch auf def^^ Er durfte NICHT sterben. Ansonsten /swear!
    Es gibt nichts schlimmeres als zu sterben, aber leicht darf es auch nicht sein!

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