Die Drei Sonnen

Die drei Sonnen von Cixin Liu

Ich war letzte Woche krank und lag die meiste Zeit über im Bett. Eine gute Gelegenheit also um mal wieder mehr zu lesen. Die Drei Sonnen von Cixin Liu sollten es sein. Über das Buch hatte ich im Vorfeld wirklich viel Gutes gehört und da es auch einige der großen SciFi Awards gewonnen hat war ich gespannt. Was ich an dem Buch wirklich toll fand und warum es dem Hype am Ende doch nicht gerecht wird möchte ich hier mal besprechen…

Um was geht es denn? Im Prinzip spielt das Buch in zwei verschiedenen Zeitlinien die im Laufe der Handlung immer wieder hin und her springen. Während der chinesischen Kulturrevolution Mitte der 60er Jahre begleiten wir eine junge Astro-Physikerin die es nicht schafft ihre Ideale und Werte zu verleugnen und so immer wieder in Probleme gerät. Eine Zeit in der es die Wissenschaft nicht einfach hatte weil viele westliche Theorien ( Einsteins Relativitätstheorie, Newtons Gravitations Gesetz etc.) verboten und verfolgt wurden.

In der Gegenwart begleiten wir hingegen den Physiker Wang Miau der von der Polizei um Hilfe gebeten wurde. Eine ganze Reihe von Selbstmorden unter theoretischen Physikern auf der ganzen Welt lässt die Beamten ratlos zurück. Scheinbar gibt es einen Zusammenhang mit der Vereinigung Fortune of Science. Doch diese Vereinigung nimmt nur angesehene Wissenschaftler in ihre Reihen auf. Daher  wird Wang Miau gebeten undercover Nachforschungen anzustellen.

Dabei erinnert mich der Teil mit Wang Miau ein wenig an Romane von Dan Brown (Illuminati, Sakrileg). Auch hier folgen wir einer relativ klugen Hauptfigur die Probleme ehr durch ihr Wissen und Gespräche / Kombination löst als durch Gewalt. Auch die Storyentwicklung hat mich hier positiv an die Bücher von Dan Brown erinnert.

Nur muss man auch erwähnen, dass sich das Buch wirklich exzessiv an der Physik bedient und man ein gewisses Vorwissen mitbringen sollte um die Faszination zu verstehen.  Wang Miau trifft im Laufe der Handlung eigentlich fast nur auf andere Physiker mit denen er sich über relativ komplexe Theorien der Physik austauscht. Das Drei Körper Problem (im englischen und chinesischen sogar der Titel des Buches) ist zum Beispiel eines der zentralen Themen.

Angenommen wir haben 3 sehr große Körper, zum Beispiel Sonnen, im Weltraum die relativ nah beieinander liegen. Dann hat jede dieser Sonnen eine gewisse Anziehungskraft welche auf die anderen Sonnen wirkt. Sprich jede dieser Sonnen beeinflusst die Bewegung der anderen beiden Sonnen und wird von ihnen wiederum in der eigenen Bewegung beeinflusst. Bei zwei Körpern wie der Erde und unserer Sonne ist das ebenso. Die Sonne mit ihrer wesentlich größeren Kraft sorgt dafür, dass sich die Erde um sie dreht. Gleichzeitig zieht aber auch unsere Erde ein kleines bisschen an der Sonne. Natürlich wesentlich schwächer. Dies sorgt aber trotzdem dafür, dass die Sonne in ihrer Drehung um die eigene Achse ein bisschen taumelt. Das System mit zwei Körpern können wir relativ gut berechnen weil es immer wieder die selben Bewegungen sind. Drei Körper sind für die Mathematik aber auch heute noch ein Rätsel da ihre Bewegungen schnell im Chaos enden.

Das Video zeigt etwas vereinfacht wie sich drei Körper in einem Spezialfall verhalten. Die Realität ist aber noch wesentlich chaotischer und komplexer. Vier und noch mehr Körper vereinfachen das Problem übrigens nicht…

Aber auch viele andere physikalischen Theorien greift das Buch auf und verpackt sie in der Handlung. Gerade für Leute wie mich ist das unglaublich toll und spannend. Hier hat sich der Autor auch reichlich viel Mühe gegeben und beweist, dass er viel Fachwissen in diesem Bereich hat. Es gibt zwar auch 2-3 kleine Fehler die ihm dabei unterlaufen sind aber im Großen und Ganzen ist das alles sehr solide geschrieben. Leider nehmen diese Fehler gerade gegen Ende des Buches immer mehr zu und es wird etwas unlogisch…

Dabei ist das Buch sehr ruhig gehalten. Es gibt nur an zwei Stellen etwas das Action sein könnte oder wirklich spektakulär ist. Im Grunde bewegen sich die Hauptfiguren immer nur von A nach B um dort ein ewig langes Gespräch über wissenschaftliche, philosophische oder gesellschaftliche Theorien zu führen. Diese Gespräche sind dabei auch immer sehr sachlich gehalten. Es sind eben bis auf 2-3 kleine Nebenfiguren alles Wissenschaftler die Fachgespräche führen. Dabei fällt es dem Autor auch sehr schwer Emotionen zu beschreiben… bzw. er tut es einfach gar nicht. Selbst wenn sich die Figuren drohen so bleiben sie ruhig und sachlich.

Vielleicht gehört das auch zum Teil der chinesischen Kultur oder zu einem chinesischen Idealbild. Keine Ahnung. Aber es wird nicht gelacht, es gibt keinen Witz und keinen Spaß. Auch sowas wie Liebe sucht man vergeblich. Entscheidungen werden fast immer aus rationaler Überlegung heraus getroffen.

 

 

ACHTUNG SPOILER (Markieren zum Lesen)

Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass die Menschen Kontakt mit Außerirdischen hatten. In den 70er Jahren konnte erfolgreich eine Nachricht an eine fremde Zivilisation gesendet werden und diese antwortete.

Diese Erkenntnis soll wohl eine große Wendung innerhalb des Buches markieren. Da die junge Astrophysikerin aber schon in den ersten Kapiteln zu der Überzeugung kam, dass die Menschheit sich nicht von selbst entwickeln wird sondern einen Impuls von Außen braucht… war das eigentlich klar. Und so zieht sich diese Überzeugung auch durch ihre Storyline was auch die zweite große Wendung oder Enthüllung nicht so überraschend macht wie sie vielleicht sein sollte.

Außerdem ist auch die Auflösung der ganzen Wang Miau Story mehr als unbefriedigend. Die Physiker haben sich umgebracht weil sich in den Teilchenbeschleunigern herausgestellt hat, dass die Physik nicht so funktioniert wie gedacht. Dass alles was wir glauben zu wissen falsch ist. Das hat das Weltbild der Physiker zerstört und sie haben in ihrem Leben keinen Sinn mehr gesehen. Zu dieser Erkenntnis kommt Wang Miau auch schon direkt am Anfang des Buches. Im Folgenden wird aber auch versucht ihn selbst in den Wahnsinn zu treiben und an seinem Glauben zu rütteln. Ihm passieren Sachen die sich mit unserer Kenntnis über die Physik einfach nicht erklären lassen.

Die Lösung liegt am Ende natürlich in den Außerirdischen die Technik haben die weit fortschrittlicher ist als die der Menschen. Hier hätte ich mir übrigens auch gewünscht, dass das 3 Clark’sche Gesetz zitiert wird:

Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

Wie bereits erwähnt ist die Erklärung dafür aber total dumm bzw. naja… die Aliens machen sich auf den Weg zur Erde weil ihre eigene Welt so lebensfeindlich ist, dass sie dort keine Zukunft sehen. Die Erde erscheint dagegen wie ein Paradies. Bis sie auf der Erde ankommen werden aber 450 Jahre vergehen. Gleichzeitig mussten die Aliens aber auch erkennen, dass sich die Menschen durch ihre lebensfreundliche Umgebung wesentlich schneller entwickeln als ihre Zivilisation. Wenn sie also in 450 Jahren auf der Erde ankommen würden die Menschen ihnen technisch vermutlich überlegen sein.

Dieser Teil gefällt mir eigentlich sogar noch ganz gut. Auch, dass sie deshalb versuchen den wissenschaftlichen Fortschritt der Menschen zu sabotieren. Wie sie das aber machen ist absurd… sie betreiben einen enormen Aufwand, sie erbauen etwas das nach heutigem Stand der Wissenschaft so unglaublich ist… so fortschrittlich… nur um es auf die Erde zu schicken damit es Taschenspielertricks ausführt. Es stört Teilchenbeschleuniger und spielt den Menschen Illusionen vor. Zwei Dinge die man wesentlich einfacher haben könnte.

Ich meine die Aliens haben die Möglichkeit diese total absurd fortschrittlichen Sachen zu bauen und verschwenden sie einfach. Sie könnten damit einfach die Menschen versklaven, die Menschen vernichten, ihre eigene Heimatwelt retten, eine neue Welt erschaffen oder oder oder… aber sie entwickeln einen extrem komplizierten Plan der soooo viele Möglichkeiten zum Scheitern hat. Warum? Der Plan sprengt die Skala aller blöden Pläne von Klischee-Superschurken…

SPOILER ENDE

Im Grunde würde ich das Buch ehr als eine Abhandlung über physikalische, philosophische und gesellschaftliche Themen ansehen die mit einem Hauch von Story zusammengehalten werden. Entsprechend würde ich dem Buch aber auch keinen Preis verleihen oder es in den Himmel heben. Viele große SciFi Autoren wie Adam Douglas, Stanislaw Lem, Arthur C. Clarke oder auch Gene Roddenberry haben das wesentlich besser hinbekommen.

Wobei das Buch aber auch nicht wirklich schlecht ist. Nur glaube ich die Zielgruppe ist ehr auf die Personen begrenzt die sowieso auf Physik stehen. Wenn ihr also wisst warum man bei einem Weltraumfahrstuhl Kohlenstoff-Nanoröhrchen braucht (ohne Google zu fragen) dann solltet ihr ihm eine Chance geben.

Ich glaube auch, dass am Ende noch etwa 50 Seiten Anhang gibt wo die wichtigsten Theorien kurz erläutert werden. Also vielleicht muss man doch nicht sooo viel wissen. Aber die Begeisterung sollte zumindest vorhanden sein.

2 Gedanken zu „Die Drei Sonnen“

  1. Creepy, vor 2 Tagen hab ich einige Artikel über den Weltraumfahrstuhl gelesen um mehr über den Stand der Technik heruaszufinden. Natürlich dann auch was über die Nanoröhrchen. Das war dann aber auch ergoogelt :/
    Abgesehen davon fehlt sowieso die Zeit zum Lesen. Und ein Buch ohne Emotionen, ohne Liebe und ohne Witz. Das stell ich mir ziemlich qualvoll / ziehend vor.
    Da geh ich lieber im „Dreck“ nach Ersatz Stoffen für die Nanoröhrchen suchen. Vielleicht findet man ja noch was brauchbareres.
    Ich hoffe nämlich doch sehr den Weltraumfahrstuhl noch miterleben zu können!
    Der Teil mit den Aliens klang allerdings spannend. 😛

    1. Ich kenne mich leider zu wenig mit den ganzen Materialwissenschaften aus um mir theoretische Stoffe vorstellen zu können die bessere Eigenschaften besitzen als Nano-Röhrchen. Aber vielleicht muss man da auch einfach nur viel abgedrehter denken und eine neue Art von Teilchenbindung erfinden. Metalle in Atombindungen zwingen? Andere Stoffe in Hexagonale-Gitterstrukturen bringen? Oder man manipuliert Stoffe und ihre Eigenschaften im Subatomaren Bereich? Keine Ahnung. Ist nicht mein Thema 😀

      Theoretisch wäre ein Weltraumfahrstuhl möglich wenn man in dieser Richtung forschen würde und genügend Geld darauf wirft. Praktisch wäre es ein Projekt wo alle Staaten oder zumindest die wichtigsten, zusammen arbeiten müssten. Ich denke letzteres wird das wohl verhindern.

      Wobei gerade sowas auch eine These des Buches ist. Die Menschheit überwindet ihre eigenen Konflikte da es eine größere Bedrohung gibt.

      Das Buch ist übrigens eine Trilogie. Das erste bringt nur den Stein ins Rollen und enthüllt, dass es Aliens gibt. Wie die Menschheit nun mit dieser Enthüllung umgehen wird liest man dann in den folgenden Bänden.

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